Dienstag, 3. November 2026
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Neubau in Wien: 2027 droht Rückgang unter 10.000 neue Wohnungen

Wiens Wohnungsneubau schrumpft weiter: Für 2027 sind laut Neubaubericht nur noch 9.651 Fertigstellungen absehbar. Besonders stark bricht das Segment der gewerblichen Mietwohnungen ein, um rund 80 Prozent.

Redaktion Post Wien3 Min. Lesezeit

In Wien dürften 2027 deutlich weniger neue Wohnungen fertig werden als bisher. Das zeigt das aktuelle Quartalsupdate zum Österreichischen Neubaubericht, das der Datenanbieter Exploreal im Auftrag der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien erstellt hat. Datenstand ist der 1. Oktober 2026. Auffällig ist vor allem der Einbruch bei den gewerblichen Mietwohnungen.

Die Zahlen im Überblick

Nach 11.404 fertiggestellten Wohneinheiten im Jahr 2025, das waren rund 17 Prozent weniger als im Jahr davor, geht der Bericht für heuer von 10.336 Einheiten aus. Für 2027 stehen 9.651 Wohnungen in der Prognose. Damit läge der Wert im dargestellten Zeitraum erstmals unter 10.000.

Hinter der Summe stehen sehr unterschiedliche Entwicklungen je nach Segment, jeweils als Vergleich von 2026 und 2027:

  • gewerbliche Mietwohnungen: von 2.505 auf 494
  • gewerbliche Eigentumswohnungen: von 3.051 auf 3.961
  • gemeinnützige Mietwohnungen: von 2.740 auf rund 2.678

Während der gemeinnützige Sektor also weitgehend stabil bleibt, verschiebt sich das Angebot der gewerblichen Bauträger von der Miete zum Eigentum. Das Plus bei den Eigentumswohnungen liegt bei knapp 30 Prozent.

Warnung aus der Wirtschaftskammer

Nicole Fürntrath, Obfrau der Fachgruppe, wertet die Zahlen als Warnsignal: „Was heute nicht gebaut wird, fehlt morgen am Wohnungsmarkt.“ Die Wirtschaftskammer fordert kürzere Genehmigungsverfahren, Planungssicherheit und geeignete Finanzierungsmöglichkeiten für Wohnbauprojekte.

Auch bei der Verwertung, also dem Absatz neuer Wohnungen, zeigt der Bericht Bewegung nach unten. Der Wiener Verwertungsindex fiel von 59 Punkten im zweiten auf 50 Punkte im dritten Quartal 2026, im Vorjahresquartal lag er bei 55 Punkten. Die Angebotspreise für neu errichtete Wohnungen lagen zuletzt laut Medienberichten 5,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dabei handelt es sich um verlangte, nicht um tatsächlich erzielte Preise.

Was die Zahlen nicht zeigen

Die Prognose hat Grenzen. Die Werte für 2027 beruhen auf den zum Stichtag veröffentlichten Projektdaten: Es können noch Vorhaben dazukommen, andere können sich verzögern. Außerdem lässt sich aus dem Bericht allein nicht ableiten, wie sich die Mieten entwickeln. Dafür zählen auch Bestandswohnungen, frei werdende Wohnungen, die Nachfrage und der geförderte Wohnbau.

Wie groß die Unterschiede zwischen den Mietsegmenten sind, zeigt ein neuer Fokusbericht des KDZ im Auftrag des Österreichischen Städtebundes. Demnach lag die Hauptmiete 2024 bei privaten Vermietern bei 11,6 Euro pro Quadratmeter, in Gemeindewohnungen bei 8,0 Euro und bei Genossenschafts- und GBV-Wohnungen bei 8,5 Euro. Der Städtebund verlangt enge Zusammenarbeit von Bund, Ländern, gemeinnützigen Bauträgern und Kommunen, damit Wohnen leistbar bleibt, und nennt zugleich steigende Baukosten, knappe Budgets und hohe Bodenpreise als Hürden.

Was das für Wohnungssuchende bedeutet

Wer eine Mietwohnung sucht, sollte die Vertragsform genau prüfen, denn im Neubau wird das gewerbliche Mietangebot laut Prognose stark schrumpfen. Worauf es dabei ankommt, erklärt unser Beitrag zum befristeten Mietvertrag in Wien. Wer kaufen möchte, findet Orientierung bei den Nebenkosten beim Wohnungskauf. Weitere Beiträge gibt es in der Rubrik Bauen und Wohnen.

Häufige Fragen

Wie viele neue Wohnungen werden 2027 in Wien fertig?

Der Neubaubericht nennt 9.651 Wohneinheiten für 2027. Das ist eine Prognose auf Basis veröffentlichter Projekte, die Zahl kann sich noch ändern.

Warum fällt der Rückgang bei gewerblichen Mietwohnungen so stark aus?

Der Bericht weist für 2027 nur 494 gewerbliche Mietwohnungen aus, nach 2.505 im Jahr 2026. Gleichzeitig steigt die Zahl gewerblicher Eigentumswohnungen. Die Wirtschaftskammer verlangt bessere Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Projekten.

Werden die Mieten deshalb steigen?

Das lässt sich aus dem Bericht allein nicht ableiten. Neben dem Neubau beeinflussen auch der Bestand, die Nachfrage und der geförderte Wohnbau die Entwicklung.

Quelle: Leadersnet, 22. Oktober 2026, VIENNA.AT, 22. Oktober 2026, Rathauskorrespondenz, Städtebund, 29. Oktober 2026

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