Arbeitsmarkt Wien: Zahl der Jobsuchenden sinkt im Oktober um 2,8 Prozent
In Wien waren im Oktober 155.045 Menschen arbeitslos oder in Schulung, um 2,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Sorgen machen dem AMS Ältere und Jugendliche auf Lehrstellensuche.
Redaktion Post Wien3 Min. Lesezeit
Der Wiener Arbeitsmarkt entwickelt sich gegen den Bundestrend. Im Oktober waren in der Stadt 155.045 Menschen arbeitslos oder in Schulung, das sind 4.489 weniger als ein Jahr davor. Das entspricht einem Rückgang von 2,8 Prozent. Österreichweit stieg dieselbe Zahl im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozent auf 389.941.
Das AMS Wien schlüsselt die Summe in zwei Gruppen auf: 121.892 Personen waren arbeitslos vorgemerkt, um 2,5 Prozent weniger als im Oktober 2025. Dazu kommen 33.153 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Schulungen, ein Minus von 3,9 Prozent. AMS-Wien-Chef Winfried Göschl zieht daraus einen positiven Schluss: "Wir sehen, dass die Erholung auf dem Wiener Arbeitsmarkt an Fahrt gewinnt."
Bau und Gastronomie entspannen sich, Handel nicht
Nach Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. Unter den vom AMS genannten Branchen sank die Arbeitslosigkeit am stärksten im Bau, und zwar um 5,5 Prozent. In Hotellerie und Gastronomie ging sie um 4 Prozent zurück. Im Einzelhandel gab es dagegen ein Plus von 3,4 Prozent, in der Warenproduktion von 1 Prozent.
Für die Bauwirtschaft ist das eine Momentaufnahme mit offenem Ausgang. Wie sich die Lage im Wohnbau weiterentwickeln könnte, zeigt unser Bericht über den erwarteten Rückgang beim Neubau.
Ältere und Lehrstellensuchende als Problemgruppen
Nicht alle profitieren von der Entwicklung. Bei den unter 25-Jährigen ging die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer um 6,7 Prozent zurück. Bei den über 50-Jährigen stieg sie hingegen um 1,6 Prozent. Göschl nennt ältere Arbeitsuchende und Jugendliche auf Lehrstellensuche als die beiden größeren Gruppen, die das AMS weiterhin beschäftigen.
Für die Zielgruppe ab 55 stellt das AMS Wien deshalb zusätzlich 17 Millionen Euro bereit. Ein Teil fließt in die Eingliederungsbeihilfe, also in befristete Zuschüsse für Unternehmen, die ältere Beschäftigte einstellen. Mit dem Rest werden weitere Plätze in vermittlungsunterstützenden Angeboten finanziert, etwa in gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten.
Auch für Lehrbetriebe gibt es Unterstützung. Gefördert wird die Ausbildung von Frauen in Lehrberufen mit geringem Frauenanteil sowie von Personen über 18 Jahren, die mit einer Lehre ihre Berufschancen verbessern wollen. Göschl appelliert an die Betriebe, junge Menschen auszubilden, weil die Wiener Wirtschaft sie bald brauchen werde.
Beschäftigung wächst stärker als im Bund
Die Stadt verweist zudem auf die Beschäftigungszahlen. Die zuletzt genannten Werte stammen aus dem September: 946.692 Personen waren in Wien beschäftigt, um 5.874 oder 0,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Österreichweit lag das Plus bei 0,1 Prozent. Laut Stadt Wien wächst die Beschäftigung seit Februar 2021 ununterbrochen, das sind 67 Monate in Folge. Die Zahl der Arbeitsuchenden geht seit Februar im Jahresvergleich zurück. Neben Wien verzeichnete im Oktober nur Kärnten einen Rückgang.
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kommentierte die Daten mit den Worten "In Wien kämpfen wir um jeden Arbeitsplatz". Er verwies auf Programme wie die Frauenstiftung und die Joboffensiven für Jugendliche und für Menschen über 50.
Opposition verweist auf die hohe Quote
Die ÖVP Wien hält dagegen. Arbeitsmarktsprecher Hannes Taborsky wies die Darstellung Wiens als Jobmotor zurück und sprach von "Schönfärberei und politischer Selbstbeweihräucherung". Er verwies auf die Jahresdurchschnitte 2025, als die Arbeitslosenquote in Wien bei 11,9 Prozent und in Österreich bei 7,4 Prozent lag. Wien sei damals das einzige Bundesland mit einer zweistelligen Quote gewesen. Taborsky fordert eine schlankere Verwaltung und gezielte Entlastungen für Unternehmen.
Wer selbst den Schritt in die Selbständigkeit überlegt, findet die Grundlagen in unserem Beitrag Gewerbe anmelden in Wien. Weitere Berichte stehen in der Rubrik Wirtschaft.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen sind in Wien arbeitslos?
Im Oktober 2026 waren 121.892 Personen arbeitslos vorgemerkt, weitere 33.153 befanden sich in Schulungen. Zusammen sind das 155.045 Menschen.
Was ist die Eingliederungsbeihilfe?
Das ist ein befristeter Zuschuss für Unternehmen, die Arbeitsuchende einstellen. Das AMS Wien setzt sie nun verstärkt für Menschen ab 55 Jahren ein.
Welche Branchen legen bei der Arbeitslosigkeit zu?
In Wien stieg die Arbeitslosigkeit im Oktober im Einzelhandel um 3,4 Prozent und in der Warenproduktion um 1 Prozent. Im Bau sowie in Hotellerie und Gastronomie ging sie zurück.
Quelle: AMS Wien, MeinBezirk, news.at, Börse Express
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