Low Traffic Grätzl: Baustart für Wiens erstes Modell in Meidling
In Meidling beginnt die Umgestaltung rund um die Wolfganggasse: Wiens erstes Low Traffic Grätzl soll Durchzugsverkehr aus dem Wohngebiet holen und bis Jahresende fertig sein. Weitere Bezirke folgen.
Redaktion Post Wien3 Min. Lesezeit
Wien erprobt in Meidling einen neuen Weg, Wohnstraßen vom Durchzugsverkehr zu entlasten. Ende Oktober haben die Arbeiten am ersten sogenannten Low Traffic Grätzl der Stadt begonnen. Die Umgestaltung der Wolfganggasse und ihrer Umgebung soll bis Jahresende abgeschlossen sein, die Begrünung folgt danach. Das hat die Stadt Wien am 30. Oktober mitgeteilt.
Wo das neue Grätzl entsteht
Das Projektgebiet liegt zwischen Längenfeldgasse, Steinbauergasse, Siebertgasse und Arndtstraße. Herzstück ist die Wolfganggasse: Ab Hausnummer 14 wird sie bis zur Tichtelgasse zur Fußgängerzone. Die Fahrbahn bekommt bunte Bodenmarkierungen und soll vorrangig dem Gehen und Radfahren dienen. Neue Sitz- und Liegemöbel ergänzen die Beete, die der Gartenverein Wolfganggasse dort bereits betreut.
Diagonalfilter statt Durchfahrt
Die zentrale Maßnahme sind sogenannte Diagonalfilter an den Kreuzungen Tichtelgasse/Fockygasse und Tichtelgasse/Schallergasse. Sie unterbinden die Durchfahrt quer durch das Wohngebiet. Als Filter dienen ehemalige Beton-Mistkübel von der Donauinsel, die nun als Pflanztröge ein zweites Leben bekommen.
Dazu kommen weitere, bewusst einfache Eingriffe:
- angepasste Einbahnregelungen
- Gehsteigvorziehungen an Kreuzungen für bessere Sicht
- mobile Pflanztröge und zusätzliche Sitzgelegenheiten
- ein Hydrant mit Trinkaufsatz
- neue Radbügel bei der Kreuzung Tichtelgasse/Malfattigasse, nahe einem Schulstandort
Wer im Grätzl wohnt, soll weiterhin zufahren können. Das gilt laut Stadt auch für Lieferungen und Einsatzfahrzeuge. Ziel ist also keine autofreie Zone, sondern weniger Verkehr, der das Gebiet nur als Abkürzung nutzt.
Vorbild London, Förderung für die Bezirke
Das Modell orientiert sich an den Londoner Low Traffic Neighbourhoods. Sie setzen auf sogenannten Tactical Urbanism, also auf rasche und kostengünstige Veränderungen im öffentlichen Raum. Auch in Wien sollen keine großen Straßenumbauten nötig sein. Die Stadt fördert jedes Low Traffic Grätzl mit 50.000 Euro pro Bezirk.
Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) hebt vor allem die Kosteneffizienz und die Zusammenarbeit mit dem Bezirk hervor. Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankl spricht davon, man schaffe „Platz fürs Grätzlleben“. Für Angelika Pipal-Leixner, Mobilitäts- und Umweltsprecherin der NEOS, geht es auch um Hitzeschutz und darum, Kindern den öffentlichen Raum zurückzugeben.
Diese Bezirke sind als Nächste dran
Meidling soll nicht allein bleiben. Als nächste Standorte sind Mariahilf, Rudolfsheim-Fünfhaus und Alsergrund vorgesehen, sieben weitere Bezirke haben laut Stadt Interesse gezeigt. Jeder Bezirk kann in dieser Legislaturperiode, also bis 2030, ein Low Traffic Grätzl umsetzen. Das geht auch schrittweise über ein Baukastensystem, und es sollen Synergien mit Radwege-, Fernwärme- und U-Bahn-Projekten genutzt werden.
Wie gut das Konzept in Wien wirkt, wird sich erst im Alltag zeigen. Während der Arbeiten sollten Anrainerinnen und Anrainer rund um die Wolfganggasse mit Änderungen rechnen. Wie man sich über Bauarbeiten und Umleitungen informiert, erklärt unser Überblick zu Baustellen in Wien. Weitere Themen rund um Mobilität finden Sie in der Rubrik Verkehr.
Häufige Fragen
Was ist ein Low Traffic Grätzl?
Ein Wohngebiet, in dem einfache Maßnahmen wie Diagonalfilter und geänderte Einbahnen den Durchzugsverkehr unterbinden. Das Konzept stammt aus London und setzt auf rasche, kostengünstige Eingriffe.
Können Anrainer weiterhin mit dem Auto zufahren?
Ja. Laut Stadt Wien bleibt die Zufahrt für Anrainerinnen und Anrainer, Lieferungen und Einsatzfahrzeuge möglich. Unterbunden wird die Durchfahrt quer durch das Gebiet.
Wann ist das Projekt in Meidling fertig?
Die Umgestaltung soll bis Jahresende 2026 abgeschlossen sein. Die Begrünung ist im Anschluss vorgesehen.
Quelle: Rathauskorrespondenz der Stadt Wien, 30. Oktober 2026

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